Die letzten F-5 Tiger
24.07.2026
Von der ursprünglich stolzen Flotte von 110 Maschinen sind heute nur noch 14 Tiger übrig geblieben. Die inzwischen zahnlosen Raubkatzen werden hauptsächlich noch von der Patrouille Suisse eingesetzt sowie in der Red-Air Rolle als Aggressor. Diese Einsätze erfolgen von Emmen aus. Die letzten Tage des Tigers sind leider gezählt.
Die Verkleinerung der Tiger-Flotte
Die Reduktion von 110 auf 14 Maschinen war ein kontinuierlicher Prozess, der häufig auch finanziell bedingt war. Die erste Teilreduktion der Flotte erfolgte bereits 2002, als 44 Exemplare des Raumschutzjägers an die US Navy verkauft wurden. 2003 wurden mit der Armee XXI auch die ersten mit dem Tiger ausgerüsteten Staffeln (Fliegerstaffeln 1 und 13) aufgelöst. Zwischen 2004 und 2008 wurden gar zwölf F-5 Tiger an Österreich ausgeliehen. Eine weitere Verkleinerung der Flotte folgte 2018, als von den damals noch 53 verbliebenen Maschinen weitere 27 Tiger ausser Dienst gestellt wurden. Gleichzeitig wurden die Tiger Staffeln 6 und 19 aus den Milizverbänden herausgelöst und in eigenständige Servicestaffeln überführt, während mit der Fliegerstaffel 8 eine weitere Staffel aufgelöst wurde.
Der Tiger besass zu diesem Zeitpunkt keinen operationellen oder taktischen Wert mehr. Wegen ihrer veralteten Sensorik und der fehlenden Bewaffnung können die F-5 Tiger nicht mehr für den Schutz des Luftraums eingesetzt werden. In einem Luftkampf gegen einen zeitgemässen Gegner wären sie chancenlos. Als Folge davon wurden die Tiger an der Axalp Flugdemonstration 2018 offiziell als Kampfflugzeuge verabschiedet und sie dienten fortan als Service-Flugzeuge. Ein weiterer Grund für die damalige Teil-Ausmusterung ist auch der Fund von Rissen in der tragenden Flugzeugstruktur anlässlich einer grossen Kontrolle 2014 und 2015 bei mehreren Flugzeugen. In den letzten Jahren wurden weitere Maschinen sukzessive ausgemustert.
Vom Lückenbüsser zur Legende
Im Jahr 2020 wurden 22 weitere Tiger von den 2018 ausgemusterten Maschinen an die US Navy zurück verkauft. Obwohl es den Anschein macht, dass die US Navy den Tiger noch jahrelang zu einem günstigen Preis betreiben wird, wird die Tiger-Flotte in den USA lediglich noch als unbewaffnete Aggressoren für Luftkampf-Trainings eingesetzt. Die USA investieren zudem viel Geld in die Modernisierung der Tiger. Aber auch dieses Upgrade macht aus dem Tiger keinen richtigen Kampfjet mehr und sie repräsentieren höchstens noch Dritt-Generation-Maschinen der früheren Sowjetunion. Die Tiger werden keine Live-Einsätze mehr fliegen und würden im Ernstfall am Boden bleiben. Ausserdem möchte nun auch die US Navy die Tiger-Flotte durch F/A-18 Super Hornets ersetzen. Auch die Navy erachtet den F-5 als nicht mehr konkurrenzfähig gegenüber aktuellen Jets.
Wenn man bedenkt, dass die Beschaffung des Tigers aus dem Nullentscheid Corsair/Milan hervorging und die Luftwaffe damals einfach möglichst schnell ein bezahlbares Flugzeug benötigte, blieb der Tiger dennoch sehr lange im Einsatz. Der F-5 galt gar als «zweitklassiges Flugzeug». Doch aus dem Lückenbüsser wurde über all die Jahre hinweg ein zuverlässiges und gutmütiges Flugzeug, das bei den Piloten und der Bodenmannschaft stets beliebt war. Und glaubt man den Anekdoten einiger Piloten, so löst der Tiger auch heute noch bei den Hornet-Piloten etwas Nervosität aus, wenn sie über die Schultern schauen und einen Tiger im Blickfeld erkennen.
Das Ende der Ära Tiger
Ursprünglich flogen sieben Staffeln mit dem F-5 Tiger. Per Ende 2025 wurden auch die letzten zwei Tiger Staffeln 6 und 19 aufgelöst und es sind noch lediglich 14 F-5 E/F Tiger im operationellen Betrieb übrig geblieben. Dies sind noch zehn rot-weisse Tiger in den Farben der Patrouille Suisse, drei Doppelsitzer und ein grauer Einsitzer. Diese Maschinen werden heute von der neu gegründeten Servicestaffel 26 geflogen. Vornehmlich von Profi-Piloten von Emmen aus. Wobei der letzte graue Einsitzer bis Ende Jahr ebenfalls ausgemustert werden soll. Somit werden im kommenden Jahr noch dreizehn Maschinen im Einsatz stehen ehe Ende 2027 mit dem Tiger-Flugbetrieb definitiv Schluss ist.
Eigentlich hätte der Tiger nach all den Jahren eine würdige Verabschiedung verdient. So markiert seine Ausmusterung das Ende einer sehr erfolgreichen Ära. Kein Jet-Flugzeug blieb bei der Schweizer Luftwaffe länger im Einsatz. Über Jahrzehnte hinweg prägte der Tiger Generationen von Piloten, Mechanikern und Wartungspersonal und die Patrouille Suisse begeisterte mit ihren Auftritten an Airshows ein breites Publikum weit über die Landesgrenzen hinaus. Es bleibt zu hoffen, dass sich zumindest die PS im kommenden Jahr von den vielen Tausend Fans verabschieden und somit die Ära Tiger gebührend beenden kann.


















































